
Haltung
Die Ausstellung möchte mit einer abwechslungsreichen Auswahl gegenwärtiger künstlerischer Positionen - jüngere und arrivierte, regional und überregional - unterschiedliche Sichtweisen zu Fragen der Relevanz von Kunst in unserer heutigen Gesellschaft präsentieren.
Kritische und nachdenkliche Kontexte, die wichtige Konfliktbereiche aus Politik und Gesellschaft ansprechen sollen hier ebenso berücksichtigt werden wie persönliche Erfahrungen, eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Gegenwart oder eine konsequent über Jahre geführte künstlerische Haltung.
Berücksichtigt werden hierfür die unterschiedlichsten Medien: Grafik, Malerei, Objekt, Installation, Fotografie, Video, Skulptur und Plakatkunst.
18. April - 25. Mai 2026
Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 14:00 - 17:00 Uhr
Vernissage: 18. April 2026, 15:00 Uhr
Die Ausstellung läuft parallel zu den SWR Festspielen in Schwetzingen, die ebenfalls unter dem Motto "Haltung" stehen. Anknüpfend an die Uraufführung zu Ingeborg Bachmanns ‚Malina‘ sind im Kontext der Ausstellung ein Filmabend, Künstlergespräche und Vorträge geplant.
Anknüpfend an die Uraufführung zu Ingeborg Bachmanns "Malina" wird im Kontext der Ausstellung am 25. April eine Matinée mit Achim Freyer stattfinden. Der Künstler wird eigens eine digitale Werkschau in einem etwa 10-minütigen Loop, nur instrumental, ohne Gesang zur Musik der Komponisten Karola Obermüller und Peter Gilbert inszenieren. Diese symbolisiert sichtbar die parallele Haltung zwischen Kunst und Musik sowie zwischen der Ausstellung im XYLON Museum und den SWR Festspielen im Kontext des Schlossareals.
Im Anschluss ist ein Künstlergespräch mit Achim Freyer, der Festspiel-Intendantin Cornelia Bend und den Komponisten geplant.
Matinée: 25. April 2026, 12:00 Uhr
Zur Ausstellung erscheint als exklusive und limitierte Grafik-Sonderedition von Achim Freyer "Malina" - gedruckt in der XYLON Werkstatt und versehen mit einem QR Code, über den der Loop mit der Musik der Komponisten sowie die digitale Werkschau von Achim Freyer abrufbar sind.
Beteiligte Künstler
Peter Ackermann
Geboren 1934 in Jena, gestorben 2007 in Cortona.
Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Berlin
1977 - 1997 Professor an der Staatlichen Kunstakademie Karlsruhe
Die Stadt Walldorf befindet sich seit dem Jahr 2020 im Besitz einer Sammlung von Werken des Künstlers Peter Ackermann (1934-2007), die der Stadt per Schenkung von dessen Witwe vermacht worden ist.
Peter Ackermann wurde 1971 mit dem renommierten Villa-Romana-Preis ausgezeichnet und war von 1977 bis 1997 Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.

Alijoscha
Geboren in Lozova, Ukraine. Lebt und arbeitet in Düsseldorf. 2001/02 Gaststudium an der Universität Düsseldorf bei Konrad Klaphek; 2006 Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg, in der Klasse Shirin Neshat und Shoja Azari.
Die Serie ‚greetings from Odessa’ dokumentiert ein
Projekt des Künstlers in einem Heim für autistische Mädchen in Odessa, in dem die charakteristischen pinken, biomorphen Objekte einen außergewöhnlichen, bizarren Akzent in den eher tristen Gebäuden und den von Kriegserfahrungen geprägten Alltag setzen.
Aljoscha beschreibt selbst: „Gemeinsam mit Mädchen, Pädagogen und Mitarbeitern der Einrichtung installierten wir zunächst neue Installationen im ehemaligen Schwimmbadgebäude, dessen stillgelegtes Becken aufgrund ständiger Stromausfälle nun als Notwasserspeicher dient. Hier erlebte ich zum ersten Mal, was Schönheit bedeutet. Meine Frau und ich waren tief berührt von der freundlichen und herzlichen Reaktion.“

Elvira Bach
Geb. 1951 in Neuenhain; lebt und arbeitet in Berlin.
Studium Staatliche Glasfachschule Hadamar und Akademie der Künste, Berlin.
Seit Beginn ihrer Karriere erhebt Elvira Bach die Weiblichkeit zum zentralen Gegenstand ihrer Gemälde und Skulpturen. Dabei verfällt sie aber nicht in düstere Stereotype des Geschlechterkampfes, sondern feiert vielmehr das Frau-Sein in all seinen Facetten - von Liebe und Leidenschaft und Glamour bis zu Kind, Küche, Heim.

Beamte Baumgärtner
Geboren 1959 in Stuttgart. Lebt und arbeitet in Stuttgart. Studium Hochschule für Kunsttherapie Nürtingen.
Beate Baumgärtner hat in ihrer großen Werkreihe "Traderpiggys Chatbook“ Daytrader belauscht, wie sie sich in internen Chatgruppen über ihre Trades unterhalten, ... und dazwischen auch über ganz anderes. Diese Chatgruppen funktionieren ganz ähnlich wie normale WhatsApp- oder Snapchat-Gruppen, sind aber exklusiv nur für Trader, Börsenhändler und Finanzhaie zugänglich. Beate Baumgärtner hatte sich mit Nicknames wie "Traderpiggy" Zugang verschafft und Zitate und Posts heruntergeladen.
Mit "Traderpiggys Chatbook" bringt sie diese virtuelle Kommunikation in die physische Welt zurück: Kleine Emojis werden zu großen Plastiken, Zitate und Posts finden sich bearbeitet und gesampelt auf Plakaten. In der Chat-Kommunikation der Trader sieht die Künstlerin einen Spiegel unseres Zeitgeistes. Wichtig in ihrem Werk sind immer wieder die Schichtungen: Das Schichten der Plakate, Schichtungen in den Objekten, das Schichten der Bilder - Schichtungen in den Montagen: Schichten von Tatsache und Illusion, Wahrheit und Fälschung. Die Schichten der Kommunikation.

Daniela Butsch
Geboren 1957 in Mannheim. Lebt und arbeitet in Berlin. Freie Universität und Akademie der Künste Berlin; Postgraduiertenstudium „Dokumentarfilmregie“ an der Universität London.
CASSIA, D, 1983-2006, S-8-film on dvd, 1 min. 04 sec. per loop
„Live fast, die young“ war die Parole der 80er-Jahre-Szene in Berlin, inclusive Drogen aller Art und Interesse an allem Unbürgerlichen/anti 68erei bis hin zu Magie, Illuminaten, Okkultismus. Es wurde alles ausprobiert. Mit Hans-Otto Richter, TV-Victor und Anno Dittmer gründete Cassia die band „manna machine“. 1985 wurde Cassia schwanger, hat eine Tochter geboren. Sie identifizierte sich zunehmend mit Jeanne d’Arc und hat sich am Faschingsdienstag 1986 bekleidet mit einer Gummibärchenkette in Cuxhaven am Strand mit Benzin übergossen und verbrannt.

Achim Freyer
Geboren 1934 in Berlin; Studium Deutsche Akademie der Künste, Berlin. Lebt und arbeitet in Berlin.
"Ordnung und Störung von Ordnung" — so bezeichnet Achim Freyer selbst das Grundthema seiner künstlerischen Arbeiten zwischen 1965 und 1971, die als eine Position zwischen Ost und West begriffen werden kann. Massengesellschaften, so Freyer, streben nach Serienproduktion auf Kosten von Individualität. Der Einzelne kann nur durch Uniformität seine Aufnahme als Glied der Gemeinschaft erreichen, er ist durch die Produktionsmechanismen gezeichnet.
Freyer bezieht diese Kritik nicht allein auf die Kulturpolitik der sozialistischen Länder, er begreift sie als eine Grundsatzkritik an der Moderne. Dabei wird der Künstler zum individuellen Störer. Zum Thema Haltung äußert der Künstler: „Haltung kann man nicht wollen, Haltung findet sich“.

Götz Gramlich
Geboren 1974 in Heidelberg; Studium an der Fachhochschule Darmstadt; Gast-Professur Bauhaus Universität Weimar.
Mut zur Wut
Format gibt es seit 2010 als Plakatausstellung im öffentlichen Raum. Gezeigt werden prägnante, gesellschaftskritische Plakate von internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit Themen wie Umweltzerstörung, politischer Unterdrückung, sozialer Ungleichheit oder Menschenrechten auseinandersetzen. Die ausgestellten Werke wurden in einem offenen Wettbewerb ausgewählt, bei dem Gestalter*innen weltweit ihre Beiträge einreichen konnten.

Markus Kaesler
Geboren 1977 in Essen; Studium an der Universität Heidelberg und Chinese Cultural University, Taipeh; Freier Fotograf.
Vordergründig betrachtet ist Fotografie ein technisches Medium zur Abbildung von Wirklichkeit. Die digitale Technik stellt dafür immer bessere Möglichkeiten zur Verfügung. Markus Kaesler beschreitet mit seiner Arbeiten den entgegengesetzten Weg. Der vollständige Verzicht auf moderne Technik reduziert das Medium auf das Wesentliche: Licht und Zeit, Ort und Bewegung. Kaeslers Arbeiten reflektieren damit auf grundsätzliche Weise die Bedingungen ihres Entstehens und stellen Fragen, die weit über das bloße Abbilden hinausgehen.
vanitas beschäftigt sich mit der Frage: was bleibt ?

Peter Robert Keil
Geboren 1942 in Züllichau; Studium an der HdK Berlin. Lebt und arbeitet in Zimmerau und Florida (USA).
Mit seiner neo-expressiven, intensiv emotionalen Malerei ist Peter Robert Keil ein charakteristischer Vertreter der ‚neuen Figuration‘ der 80er Jahre. Die Auseinandersetzung mit der Großstadt Berlin übt in dieser Phase prägenden Einfluss aus und zeigt sich Kompositionen von dichter Enge und gesellschaftskritischen Kontexten.

Cholud Kassem
Geboren 1956 in Bagdad, Irak; Studium an der PH Heidelberg.
BURKA HIDSCHAB NONNENSCHLEIER
Video im Stile einer Diashow, 13 min.
In ihrer Videoarbeit zeigt die Künstlerin collageartige Zusammenstellungen und Montagen aus ihrem Familienalbum gepaart mit Abbildungen von charakteristischen Malereien und symbolhaften Gegenständen und reflektiert - aus eigener Erfahrung (im Irak geboren, dann aufgewachsen in einem von katholischen Ordensschwestern geführten Kinderheim + bei Pflegeeltern in Deutschland, Kontakt zum streng muslimischen Familienteil in der Türkei) - das Thema der Religionen und ihrer Funktion.

Lucia Mattes
Geboren 1996 in Heidelberg; Studium an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Lebt und arbeitet in Karlsruhe.
Ausgangspunkt der im Trockenfilzverfahren hergestellten Wandarbeiten bildet Mattes‘ Auseinandersetzung mit der neuen Sprach- und Bildwelt der Internet- und Jugendkultur. Internetphänomene wie Memes, die sich viral unter Nutzerinnen und Nutzern verbreiten, dienen als Anregung und Vorlage.
Konträr zu Thema und Abstammung des Motivs, welches der schnelllebigen Netzkultur entspringt, steht die handwerklich aufwändige und langwierige Herstellungsweise. Vorübergehende Hypes digitalen Ursprungs werden so aus ihrem zeitlichen Kontext herausgehoben, aufgewertet und physisch erfahrbar gemacht.

Otto Mindhoff
Geb. 1932 in Blankenstein, gestorben 2019. Studium an der Kunstakademie Stuttgart und Kunstakademie Karlsruhe.
Durch das ganze künstlerische Wirken hindurch ist es vor allem die Darstellung des „Technoiden“, die Otto Mindhoff fasziniert und bearbeitet. Mit diesem Terminus umschreibt der Künstler den Menschen, der in einer von der Technik bestimmten Umwelt lebt, von dieser beeinflusst wird und diese wiederum beeinflusst.
Oder wie er es selbst ausdrückt:
„Mein eigentliches und immer wiederkehrendes Thema ist der Mensch in seiner Umwelt. Und da diese Umwelt von der technischen Entwicklung bestimmt ist, fällt diese Tatsache auf den Menschen zurück.“

Klaus Staeck
Geboren 1938 in Pulsnitz; Studium an den Universitäten Heidelberg, Hamburg, Berlin; 2006 bis 2015 Präsident der Akademie der Künste Berlin. Lebt und arbeitet in Berlin und Heidelberg.
Klaus Staeck gehört seit den 1970er Jahren zu den prägendsten Stimmen politischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland. Mit seinen zugespitzten digitalen Bild-Text-Collagen mischte er sich in gesellschaftliche Debatten ein, prangerte politische und soziale Missstände an und setzte sich unter der Devise „Die Kunst findet nicht im Saale statt” nicht zuletzt mit Joseph Beuys für die Demokratisierung der Kunst ein.

Christian Thompson
Geboren 1978 in Gawler, Südaustralien. 2010 als erster Aboriginal Australier an der Universität Oxford zugelassen. Er besitzt einen Doktortitel (Bildende Kunst) des Trinity College der Universität Oxford, Großbritannien;
Master of Theatre der Amsterdamer Kunsthochschule Das Arts, Niederlande; Master of Fine Arts (Bildhauerei) der RMIT University in Melbourne.
Thompson ist väterlicherseits Bidjara (Aborigines aus dem zentralen Südwesten Queenslands) und chinesisch-australischer Abstammung. Er hat außerdem irische, norwegische und sephardisch-jüdische Vorfahren. In seinem Werk beschäftigt er sich mit dem Wesen der Identität als einem sich ständig weiterentwickelnden und unerforschten Terrain und vereint dabei eine Vielzahl scheinbar disparater Formen und Themen.

Rosa Violetta Zettl
Geboren 1989 in Ochsenfurt; Studium Kunsthochschule Kassel und Estnische Kunstakademie Tallinn. Lebt und arbeitet in Heidelberg.
Biologische und soziale Zusammenhänge sind die Grundlagen ihrer Objekte, Zeichnungen und dreidimensionalen Collagen. In einer fluiden Sammlung werden Fundstücke mit handgefertigten Plastiken in Kompositionen und Rauminstallationen zusammengebracht, die hierarchische Strukturen, Archive und Symbiosen behandeln.

Guido Zimmermann
Geboren 1978 in Frankfurt. Studium an der Academy of visual arts Frankfurt. Lebt und arbeitet in Frankfurt.
Guido Zimmermann startete Ende der 1990er Jahre seine Karriere als Künstler in der Frankfurter Graffiti-Szene. Bald darauf erhielt er Auftragsarbeiten für großflächige Wandmalereien. In Zimmermanns Murals – mittlerweile deutschlandweit gefragt – zeigt sich sein Bezug zu gesellschaftlich relevanten Themen - in seinen
‚Murals‘ und auf der Leinwand verbindet er GraffitiKunst und klassische Ölmalerei.










